Grünes Positionspapier zum Thema Schulpolitik mit Zukunft im Landkreis Aurich
Die Ausgangssituation
Das Gutachten zur Schulentwicklungsplanung im Landkreis Aurich durch den Planer Krämer-Mandeau, für den Bereich der Grundschulen hat offenbart, dass alle Städte und Gemeinden im Landkreis Aurich auf Dauer zu viele Schulen für die Anzahl ihrer Schüler haben und Schulen geschlossen werden müssen. Der Schulentwicklungsplaner empfiehlt darum, Schulen, die unter 100 Schüler kommen – also weniger als 4 Klassen – langfristig zu schließen. Eine lebensfähige Schule sollte demnach mindestens 130 bis 150 SchülerInnen haben. Als Nachfolgenutzung für geschlossene Schulen schlägt er eine Nutzung als Kindergarten bzw. Kindertagesstätte mit Ganztagsangeboten vor.
Der Schulentwicklungsplaner weist darauf hin, dass man angesichts des demografischen Wandels und der fehlenden Schülerzahlen langfristig zu einem zweigliedrigen Schulsystem im Sekundar I- und II-Bereich kommen wird. Es wird dann nur noch zwischen Integrierten Gesamtschulen und Gymnasien zu wählen sein. Haupt- und Realschulen als auch Oberschulen sind einer Meinung nach keine Schulsysteme mit Zukunft.
Die Bildungsabschlüsse im gymnasialen Bereich liegen im Landkreis Aurich bei ca. 22 % und damit weiter unter dem Landesdurchschnitt von 35 %. Daher sollte alles unternommen werden, damit das Schulangebot so attraktiv ist, dass diese Quote langfristig erhöht wird
Die Grüne Perspektive
Wir wollen ein Bildungsangebot, das allen SchülerInnen optimale Bildungschancen eröffnet, in dem kein Kind auf der Strecke bleibt.
a) Grundschulen
Das Credo Grüner Politik lautete stets: „Kurze Beine, kurze Wege“. Die Realität in den Gemeinden sieht jedoch so aus, dass die Mehrheit der Grundschüler in den Gemeinden ohnehin mit dem Bus zur Schule fährt, da alle Städte und Gemeinden aus vielen Ortsteilen bestehen, wobei die wenigstens Schulstandort sind.
Insofern ist es für die Fraktion der Grünen im Kreistag richtig und wichtig, sich mit der Thematik von Schulschließungen ernsthaft auseinander zu setzen. Die oberste Priorität ist bei der Qualität einer Schule anzusiedeln und nicht unbedingt bei der Wohnortnähe. Bei der Elternbefragung haben ca. 2/3 der Eltern angegeben, dass sie Grundschulen für ihre Kinder bevorzugen, die 2 Klassen pro Jahrgang aufweisen. Wenn Grundschulen allerdings so klein werden, dass sie sogar ihre Zweizügigkeit verlieren und zur Minischule mutieren, ist die Qualität extrem gefährdet.
Die Qualität misst sich u.a. an der Ausstattung mit Lehrkräften, an den pädagogischen und den Zusatzangeboten. Ein Qualitätsmerkmal aus grüner Sicht ist auch die Möglichkeit der Beschulung im Rahmen eines Ganztagsangebotes mit einem gesunden Mittagessen.
Bei der Schließung von Grundschulen sollte der Fokus darauf gelegt werden, in die Qualität der verbleibenden Grundschulen zu investieren, um den Eltern aufzuzeigen, dass nicht nur etwas genommen wird sondern ihre Kinder an den übrigen Schulen optimaler versorgt werden.
Dazu wird der Landkreis Aurich im Rahmen seiner Jugendhilfe auf Initiative der Grünen im Kreistag ein
Konzept erarbeiten und Vorschläge unterbreiten.
b) Inklusion
Die inklusive Beschulung wird ab 2018 an allen Schulen zur Pflicht, so dass die Infrastruktur der Schulen einschließlich erforderlicher technischer Ausstattung darauf ausgerichtet werden muss. Die Versorgung mit Förderschullehrkräften, Integrationshelfern und Sozialpädagogen sind für uns weitere wichtige Bausteine zu einem guten Grundschulangebot in der Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit optimal gelebt werden können.
c) Weiterführende Schulen
Für den Bereich der weiterführenden Schulen, also dem Sekundarbereich I und II, schlägt der Schulentwicklungsplaner vor, verschiedene Integrierte Gesamtschulen ( Brookmerland, Krummhörn) mit Oberstufen zu versehen, die diesen Schulen mehr Attraktivität verleihen.
Die Anziehungskraft Integrierter Gesamtschulen steigt mit der Möglichkeit, dort auch das Abitur machen zu können. Die Einrichtung von Oberstufen an diesen Schulen verlangt eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden Brookmerland-Südbrookmerland und Krummhörn-Hinte-Emden.
Weiterführende Bildungsangebote in der Fläche führen dazu, dass Eltern ihren Kindern verstärkt die Chance auf einen höheren Schulabschluss ermöglichen wie die Außenstelle des Johannes-Althusisus-Gymnasiums in Pewsum gezeigt hat.
.Die Gymnasien Aurich und Norden sind von ihrer Kapazität her an ihre Grenzen gelangt und – verzichtet man auf die Einrichtung weiterer Oberstufen an Integrierte Gesamtschulen – bräuchte man langfristig ein drittes Gymnasium.
Den Kooperativen Gesamtschulen wird in der Schulentwicklungsplanung empfohlen, eine Umwandlung in eine Integrierte Gesamtschule anzustreben. Dadurch lassen sich die Schülerströme besser steuern, es stehen verstärkt wohnortnahe Angebote zur Verfügung und es können Schulschließungen verhindert werden.
Daher begrüßen wir die Einrichtung von Oberstufen an weiteren Integrierten Gesamtschulen und die Umwandlung der Kooperativen Gesamtschulen in Integrierte Gesamtschulen. Integrierte Gesamtschulen mit ihren pädagogischen Konzepten beinhalten für uns die größten Chancen auf Bildungsgerechtigkeit.
Die Gymnasien Aurich und Norden bleiben in der jetzigen Form erhalten.
Zusammenfassung
Grüne Forderungen:
· Keine SchülerIn soll die allgemeinbildenden Schulen ohne Abschluss verlassen.
· Der Prozentsatz der SchülerInnen, die die allgemeinbildenden Schulen mit Hochschulreife verlassen, soll dem Landes- bzw. Bundesdurchschnitt entsprechen.
· Die Schulangebote im Landkreis sollen in ihren Standards vergleichbar und familienfreundlich sein.
· Die Inklusion in unserem Schulbereich wird hinsichtlich der Ausstattung und Gruppenzusammensetzung so gestaltet, dass alle SchülerInnen davon profitieren.
· Die Qualität an den Schulen muss unter Berücksichtigung des demografischen Wandels erhalten und sogar verbessert werden.
Wie wir das erreichen wollen ….
· mit einem Ganztagsangebot und pädagogischen Profilen, um die in § 2 des Schulgesetzes verankerten Ziele zu erreichen wie soziale Kompetenz, Umweltbewusstsein und die Werte unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens.
· mit einem attraktiven Zusatzangebot in der unterrichtsfreien Zeit.
· mit einer guten personellen Ausstattung wie der Versorgung mit Integrationshelfern, Sozialpädagogen und Schulpsychologen.
· mit der Schaffung einer dritten SEK II an einer ländlichen IGS
Finanzierung
Die notwendigen Maßnahmen werden nicht zum Nulltarif zu haben sein. Gute Bildungsangebote dürfen aber keine Fragen der Finanzen sein, denn Bildung ist eine Investition in die Zukunft. Allerdings kann das nicht bedeuten, die öffentlichen Haushalte weiter zu belasten. Darum wollen die Grünen die notwenigen Investitionsmaßnahmen durch Umschichtung der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel erreichen.
Kommentar verfassen
Verwandte Artikel
Schulabsentismus, Schulabbrecher*innen und Jugendliche ohne Schulabschluss
Immer mehr Jugendliche in Niedersachsen verlassen die Schule ohne Abschluss. 2024 waren es lt. Auskunft des Kultusministeriums bereits rund 6000 Schüler*innen. Gründe dafür seien vielfältig. Zum einen sind Kinder, die…
Weiterlesen »
Höchste Zeit für eine landkreisweite interkommunale Wohnungsbaugesellschaft
Grüne beantragen: Der Landkreis soll jetzt mit den Kommunen sprechen „Das aktuell für den Landkreis Aurich und seine Kommunen erstellte Wohnraumversorgungskonzept hat den dringenden Handlungsbedarf bewiesen“ stellte Angelika Albers (Aurich),…
Weiterlesen »
Schließung des Heimathafens – Geist der Rücksichtslosigkeit
Was in der Öffentlichkeit unter dem kargen Stichwort „Heimathafen“ läuft, betrifft viel mehr: Es ist … das Café als sozialer Treffpunkt, das Hafenkollektiv mit seiner Holzwerkstatt und der Bootshafen mit…
Weiterlesen »